Protest am Erdüberlastungstag in Braunschweig trotz hoher Bußgelder

02.08.2023 - Bürger:innen der Letzten Generation bei einer Laufblockade am Erdüberlastungstag in Braunschweig trotz Allgemeinverfügung, die unangemeldete Proteste mit 3000€ bestrafen soll. | Foto: (c) Letzte Generation
02.08.2023 - Bürger:innen der Letzten Generation bei einer Laufblockade in Braunschweig am Erdüberlastungstag trotz Allgemeinverfügung, die unangemeldete Proteste mit 3000€ bestrafen soll.
Foto: (c) Letzte Generation

02.08.2023, 16:00 – Heute am 02. August ist der Erdüberlastungstag – der Tag an dem die globalen Ressourcen, die sich innerhalb eines Jahres regenerieren können, erschöpft sind. Das heißt, wir verbrauchen im weltweiten Durchschnitt pro Jahr so viel Ressourcen, dass wir ca. 1,7 Erden bräuchten.

Jonas Ebert (21, Systemadministrator): „Würden alle Menschen auf der Erde so leben wie wir hier in Deutschland, wäre das Jahresbudget an Ressourcen der Erde dieses Jahr bereits am 4. Mai erschöpft gewesen. Es bräuchte drei Erden, um unseren Lebensstil zu erhalten.

Doch uns steht nur diese eine Erde zur Verfügung, sie ist unsere Heimat und unsere Lebensgrundlage, und sie wird stark überlastet; dies wirkt sich sichtbar in immer stärker zunehmenden Umweltproblemen aus.“

Die Letzte Generation Braunschweig unterbricht deshalb heute ihre Gemeinschaftszeit, um gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen zu protestieren und bremst mit einer Laufblockade den Verkehr auf der Wolfenbütteler Straße, Höhe Campestraße stadtauswärts aus:

Maria Heß (58, Lehrerin): „Heute ist der Earth Overshoot Day. Doch die Politik ignoriert die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen und unserer Zivilisation durch die Klimakrise: weder die Bundesregierung noch die Stadt Braunschweig ergreifen effektive Maßnahmen, den verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, einzudämmen. Es fehlt ganz offenbar am politischen Willen:

Die Bundesregierung verstößt weiterhin gegen ihre eigenen Gesetze und gegen die Verfassung. Ich frage Sie: Wo bleibt der Aufschrei der Medien? Wo bleibt der Aufstand der Gesellschaft? Wo bleibt der Protest der Opposition?“

Die Stadt Braunschweig hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden – doch statt konsequent die dafür erforderlichen Maßnahmen umzusetzen, versucht sie, mit einer Allgemeinverfügung den notwendigen Protest gegen die weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu verdrängen:

Alexander Grimm (28, Fachinformatiker für Systemintegration): „Die Stadt Braunschweig versucht die Kundgebungen von Klimabewegungen von der Straße zu drängen. Doch keine Strafe kann uns davon abhalten, für eine lebenswerte Zukunft und gegen das unzureichende und gesetzeswidrige Handeln der Bundesregierung auf die Straße zu gehen.
Im Gegenteil, gerade jetzt ist unser Protest notwendiger denn je: die Allgemeinverfügung offenbart deutlich, dass der Stadt Braunschweig der politische Wille fehlt, gegen das Problem anzugehen – lieber macht sie diejenigen mundtot, die für die Lösung des Problems auf die Straße gehen. Das erhöht die Notwendigkeit, weiter energisch den gesellschaftlichen Alltag auch hier in Braunschweig zu unterbrechen!“

Foto: (c) Letzte Generation
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Letzte Generation bekommt Preis „Demokratie wagen – Zivilcourage zeigen“ verliehen

Für ihr Engagement erhält die Letzte Generation den Preis „Demokratie wagen – Zivilcourage zeigen“ verliehen. Die Solbach-Freise Stiftung für Zivilcourage vergibt diesen an Menschen oder Organisationen, „die sich für die Allgemeinheit, für Demokratie, Bürgerrechte und Gerechtigkeit einsetzen, ohne Konflikte mit dem Staat, der Bürokratie oder privater Wirtschaftsmacht zu scheuen. Es werden Menschen geehrt, die wegen ihres mutigen Eintretens für das Allgemeinwohl auch persönliche Nachteile in Kauf nehmen. Mit der Ehrung möchte die Stiftung andere Menschen ermutigen, bei Missständen und Ungerechtigkeiten nicht weg zu schauen, sondern sich für ihre Mitmenschen und deren Rechte zu engagieren.“

Nie war solche Zivilcourage notwendiger als jetzt. Anja Aschenbrenner (50, Ingenieurin): „Nur ziviler Widerstand bietet noch die Chance, rechtzeitig eine Umkehr auf dem zerstörerischen Kurs zu bewirken. Die Bundesregierung kommt ihrer Pflicht nicht nach, gemäß Art. 20a unseres Grundgesetzes die Lebensgrundlagen auch zukünftiger Generationen zu schützen. Wir brauchen eine regenerative Kultur, durch die wir der Erde mehr zurückgeben als wir von ihr nehmen statt in der Gier nach fortwährendem Wachstum, Überkonsum, Ressourcenverschwendung und Wegwerfmentalität festzukleben.“

Timo Meyer (39 Sozialpädagoge/Sozialarbeiter): „Wir alle sehen deutlich die Auswirkungen der Erderhitzung: In Gifhorn, Göttingen und Goslar wurde bereits die Entnahme von Wasser aus Fließgewässern per Allgemeinverfügung beschränkt. Wälder stehen in Flammen – als Standort für Löschflugzeuge bereitet sich auch Braunschweig auf weitere Waldbrände vor. Die Bundesregierung muss jetzt schnell und effektiv handeln! Denn am Ende sind wir alle in Gefahr. Wir sind der Überlebenswille dieser Gesellschaft.“

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Edmund Schultz (59, Projektmanager): „Wir fordern die Stadt Braunschweig auf: Schützen Sie die Bürger und Bürgerinnen Braunschweigs und fordern Sie auch die Bundesregierung auf, die Bevölkerung Deutschlands zu schützen und den Weg der Verschwendung und Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu verlassen. Während sie auf der Schuldenbremse im finanziellen Sinne beharrt, nehmen die Schulden im Bereich der des Klimas und der Umwelt immer weiter zu – und mit diesen zugleich auch unermessliche finanzielle Schulden.“

Mit der Allgemeinverfügung droht die Stadt Braunschweig Klimaschützer:innen Geldbußen bis zur Höhe von 3000 Euro an, sollten sie weiterhin unangemeldet auf die Straße gehen und gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen aller Menschen protestieren. Offenbar lässt sich zumindest die Letzte Generation dadurch nicht von ihrem Protest abhalten, ganz im Gegenteil.

Foto: (c) Letzte Generation
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Erfolgreicher war dagegen die Entscheidung der Stadt Hannover: sie unterstützt die Forderungen der Letzten Generation nach effektivem Klimaschutz und fordert diese auch bei der Bundesregierung ein. Deswegen hat die Letzte Generation in Hannover alle Proteste und Blockaden eingestellt.

Die Stadt Braunschweig will bis 2030 klimaneutral werden; logische Konsequenz wäre nun, auch die Bundesregierung aufzufordern, endlich ins Handeln zu kommen und konsequente Maßnahmen umzusetzen, so dass Deutschland bis 2030 frei von der Nutzung fossiler Rohstoffe wird.

Kein Bußgeld und keine Freiheitsstrafe wird uns davon abhalten, friedlich für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und gegen den Verfassungsbruch unserer Bundesregierung – auch in Braunschweig – auf die Straße zu gehen. Nur effektives Handeln kann unseren Protest beenden.

Foto: (c) Letzte Generation
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Pressekontakt
Carla Hinrichs
Telefon: +49 3023591611
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