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Letzte Generation vor den Kipppunkten

Der Plan fĂĽr Sommer 2023

Wir werden uns nicht davon abbringen lassen, fĂĽr das Leben und echte Demokratie einzustehen, komme was wolle.
Lies, was du fĂĽr den sozialen Wendepunkt im September tun kannst.

“Nach mir die Sintflut” – Entlarvung der Superreichen

In einer ZDFheute-Diskussion mit einem Sprecher von uns sagte ein Superreicher angesprochen auf seine Verantwortung angesichts der Auslöschung der nächsten Generationen: “Nach mir die Sintflut. Ich habe keine Kinder.“

Die Klimakatastrophe kommt nicht einfach so. Sie wird gemacht – und zwar in erster Linie von den Reichen. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen an die Symbole des modernen Reichtums gehen, die nationale Aufmerksamkeit auf die rücksichtslose Verschwendung der Reichen lenken und die Ungerechtigkeit sichtbar werden lassen.

Momentan hält die Regierung den Reichen noch den Rücken frei. Sie lässt zu, dass die Reichsten tausendmal so viele Emissionen verursachen wie der Durchschnitt. Das lassen wir ihr nicht durchgehen. Wir müssen als Gesellschaft zusammenkommen, um sozial gerecht das fossile Zeitalter zu beenden.

100 fĂĽr Bayern

Nicht dort, wo viel Sympathie herrscht, sondern dort wo viel Ablehnung vorhanden ist, wurde mit friedlichem Widerstand Geschichte geschrieben. Wir tragen unseren Protest dahin, wo die Verdrängung und das Festkleben am “Weiter-So” besonders stark ist: Bayern.

Wir möchten, dass die Regierung, die Gerichte, die Parteien (die dann im bayerischen Landtagswahlkampf stecken) und auch alle Menschen bundesweit sich die Frage stellen: Wollen wir politisch umsteuern, um unsere Lebensgrundlagen zu schützen oder sperren wir lieber all diejenigen ins Gefängnis, die uns alarmieren?

Wir haben die Kraft von mutigen Menschen, die nach Bayern gehen, schon einmal erlebt:
Letzten November gab es als Antwort auf die knapp 30 Inhaftierungen in München von der Bevölkerung eine massive Welle von Solidarität, sichtbar an über Tausend mitmachbereiten Menschen und Unterstützung durch Spenden und Briefe. Was werden wir auslösen, wenn wir diesen Sommer dreimal so viele sind?

Wir suchen 100 für Bayern – Einhundert Menschen, die als Vorbild vorangehen.
Sie sind das Sprungbrett fĂĽr den sozialen Kipppunkt, den wir diesen Herbst schaffen mĂĽssen.

Bist du dabei?

Der Wendepunkt

Ab dem 13. September strömen wir alle zum sozialen Wendepunkt nach Berlin.
Die Gesellschaft erhebt sich. Wir holen uns die Demokratie zurück. Jene Demokratie, die sich uns aufdrängt, die in den Startlöchern steht und nur darauf wartet, gelebt zu werden. Jene Demokratie, die das Potenzial hat, uns aus der Todesspirale herauszuführen:
Der Gesellschaftsrat – Schau dir eine Erklärseite, ein Video oder das FAQ an.

Dem ganzen Land wird dann klar: Wir gehen über die Klippe, wenn wir uns nicht gemeinsam auflehnen. Zuvor drängte sich die Frage auf „Warum soll ich in diesem Moment alles aufgeben und mitmachen?“. Das Blatt hat sich gewendet: Niemand kann dann weiter die Füße still halten und zu Hause bleiben. Hinter dem Schutz des Lebens zu stehen bedeutet, hinter der Letzten Generation zu stehen und das bedeutet: Jetzt mitmachen.

Alle, die vor dem 13. September anreisen, werden das sehen, was wir im Frühjahr schon gemeinsam in Berlin fühlen konnten: “Da bewegt sich etwas, da muss ich hin, da kann ich Teil von sein.” Bereit, alles zu geben, haben wir die Stärke politisch etwas zu verschieben.
Das Blatt wendet sich! – Schau dir ein Video an, in dem Lea erklärt, wo wir gerade stehen.

Integration und Mobilisierung

Wir kehren in die ĂĽber 60 Orte zurĂĽck, aus denen wir kommen, um dort neue Menschen an die Hand zu nehmen und in den Widerstand zu bringen. Wir schaffen die notwendigen Willkommensstrukturen, um als Bewegung spĂĽrbar zu wachsen.
Seit Frühjahr haben wir Regio Teams. Sie stärken unsere Strategie. Jetzt wollen wir zusätzlich lokale Teams aufbauen, die das Handwerkszeug haben, in den Städten mehr Menschen dazuzuholen.
Damit wir unsere Ziele erreichen, liegt unser Fokus auf einer nachhaltigen Integration. Wir laden weiterhin zu Vorträgen, Trainings und lokalen Sitzblockaden ein. Im Fokus steht dabei: Neue Menschen aktivieren, die dann selbst wieder neue Menschen aktivieren, Trainings geben und Vorträge halten. So bauen wir ein Schneeball-System auf.
Zusätzlich soll es auch öffentliche Veranstaltungen und Zusammenkommen geben, bei denen Menschen leicht Berührungspunkte finden und die Bewegung kennenlernen können.

Eine besonders gute Einstiegsmöglichkeit sind Protestmärsche! Wir wollen in immer mehr Städten mittwochnachmittags einen Protestmarsch starten. In Berlin sind wir mit über hundert Menschen in den Protestmarsch gegangen, ebenso waren es über 100 Menschen in Wien, Prag und London – wie viele weitere Städte erreichen diese Schwelle?
Bis zum 14.07. ist unser Zwischenziel, dass bundesweit in mehreren Städten Protestmärsche dieser Größe stattfinden.

Denn: Vom 15.07. bis zum 05.08. findet eine „Gemeinschaftszeit“ statt!
In dieser Zeit können wir den festen Griff etwas lockern und es wird keine Strukturarbeit geben, das heißt die Arbeitsgruppen wie bspw. die Presse AG werden ihre fleißige Dauer-Bereitschaft pausieren. Wir wollen die Zeit nutzen:
Zum Akkus wieder aufladen oder auch, um mit den Menschen in den Widerstandsgruppen zusammenzukommen, die Gemeinschaft zu stärken und über lokale Treffen neue Menschen in unsere Widerstandsgruppen einzuladen.

Für die kommenden Monate wollen wir den Austausch zwischen den Widerstandsgruppen durch regelmäßiges, überregionales Zusammenkommen verbessern. Es wird auch eine Wissenssammlung geben, die dem Aufbau von starken Widerstandsgruppen dient. Diese Sammlung wird am 28.05. veröffentlicht.

Integration ist nicht alles, aber ohne Integration ist alles nichts! Nur wenn wir in der Integration neuer Menschen erfolgreich sind, können wir im September mit vielen Menschen einen sozialen Wendepunkt erschaffen.

Vernetzung

Damit unser Plan gelingt, vernetzen wir uns mit verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren. Diese haben Einfluss auf ihre jeweilige Gruppe, können unsere Botschaft verbreiten und den Druck auf die Regierung erhöhen. Das Hauptziel ist, dass diese Gruppen selbst aktiv werden und ihren Unmut über das politische Versagen ausdrücken.
Dies soll besonders durch neue Protestformen geschehen, welche mit den Akteuren gemeinsam ausgearbeitet werden. Es ist dabei nicht erforderlich, dass die Akteure ihren Protest mit uns gemeinsam ausführen, das Wichtigste ist, dass sie nicht länger schweigend zuschauen, sondern ihre Gruppe mobilisieren und etwas eigenes starten.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Aufbauen von starken Netzwerken mit Glaubensgemeinschaften, Arbeiter:innen und Klimagerechtigkeitsgruppen. In Absprache mit den regionalen Koordinator:innen sollen sich Widerstandsgruppen an der Vernetzungsarbeit beteiligen. Voraussetzung für das Teilnehmen an Vernetzungsgesprächen ist der Besuch von Vernetzungstrainings.
Der Fokus liegt auf diesen drei gesellschaftlichen Gruppen, da sie historisch ein groĂźes Potenzial mitbringen, den Widerstand zum Erfolg zu fĂĽhren.
Die Vernetzung mit Kulturschaffenden, Polizei, Prominenten, Journalismus, Landwirtschaft, Wissenschaft und Politik wird bundesweit zentral koordiniert. Du hast Kontakte oder willst mitmachen? Melde dich hier!

Strategie FrĂĽhjahr 2023

Wir sind die letzte Generation vor den Kipppunkten. Niemand wird uns aufhalten, während wir den tödlichen Kurs mit aller Kraft beenden. Wir sind die Menschen, die an die Menschheit glauben, deshalb werden wir gewinnen.

Wir sind die 99 Prozent, die gerade dafür herhalten sollen, dass sich ein kleiner Teil an Mensch und Natur bereichert. Aber wir sind die Natur, die sich wehrt, die Menschen, die keinen Bock mehr haben auf Niederknien vor dem Profit und den Milliardären, den Lobbyisten und Parteien, die ihre Werte verkaufen, aus Angst, „Mehrheiten zu verlieren”. 

Sie wussten es seit 30 Jahren und sie haben entschieden, die Zivilisation aufzugeben. Wir holen uns die Macht zurück. 

Worauf wir zielen I

Wir sind alle die letzte Generation vor den Kipppunkten
Die Kampagne Letzte Generation hat im Laufe von 2022 ein Momentum erschaffen, an das wir anschließen wollen. Der Begriff „Klimakleber“ ist auf Platz 5 der Wörter des Jahres. „Klimaterroristen” ist hingegen das Unwort des Jahres. Unser Plan geht bis hierhin auf. Nun müssen wir die Energie, die aufkommt, nutzen und unseren weiteren Plan darauf auslegen. 

Der Name wird noch deutlicher mit seiner Herkunft verbunden – als „letzte Generation vor den Kipppunkten“. Das Logo und Schrift- und Farbstil, sowie die Warnwesten als Merkmal, bleiben für Wiedererkennung erhalten und können noch vermehrt genutzt werden. Die Erzählung „Wir alle sind die Letzte Generation“ soll auf den sozialen Medien als neue Plattform für persönliche Klimabetroffenheit die Runde machen. Zudem können sich alle, die in irgendeinem Publikum sitzen und eine Podiumsdiskussion unterbrechen wollen, als „Letzte Generation vor den Kipppunkten“ verstehen. So kann aus einer Struktur eine Bewegung werden – auch wenn diese die Struktur nach wie vor braucht – dazu später mehr.

Zur Regierung und unseren Forderungen
Unsere Forderungstheorie hat bis hierhin geklappt. Wir fordern sofortige Sicherheitsmaßnahmen, wenn diese aber ausbleiben, wird das offensichtliche Versagen klar – noch immer warten wir auf konkrete Schritte, sehen damit aber, wie wenig ernst es der Bundesregierung wirklich ist. 60 % der Gesellschaft geben an, dass die Regierung zu wenig tut. Immer weniger können nachvollziehen, wie Minister:innen mit einem „Schildermangel“ oder „das spart aber nur 5 Mio. Tonnen“ ernsthaft argumentieren wollen.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat das höchste deutsche Gericht der Bundesregierung eine Frist gesetzt. Bis Ende 2022 müsse nachgebessert werden, damit die Verfassung nicht weiter gebrochen wird.

Die Regierung bricht weiter die Verfassung. Da das selten in den Medien kommt, mĂĽssen wir das sagen.

Zur veränderten Situation der Forderungen
Wir haben zusammen erreicht, dass jetzt Containern straffrei werden soll. Aber nach einem Jahr Letzte Generation macht die Regierung immer noch nicht ihren Job. Sie ist nicht einmal bereit für einfachste Schritte – weder gegen Essensvernichtung noch gegen Rasen auf der Autobahn. Ein Bahnticket für 49 Euro kommt irgendwann in Monaten – einen bezahlbaren Nahverkehr möchte die Regierung nicht. Jetzt ist es für alle offensichtlich: Das ist keine Klimaregierung. Wenn wir direkt vor der Klippe stehen und die „Fortschrittskoalition” noch einen Schritt gehen will – dann geht sie (gehen wir alle) die Klippe hinab. 

Da das immer deutlicher wird, ist es Zeit, die Frage zu stellen: Wie soll das jetzt weitergehen, liebe Regierung? Tun Sie das Notwendige oder machen Sie den Platz frei fĂĽr die BĂĽrger:innen! Wir, die Letzte Generation vor den Kipppunkten, werden mehr Fokus auf eine Forderung legen, die der Situation gerecht wird. Unsere bisherigen Forderungen sind nur der Anfang und wenn diese immer noch nicht kommen und die Repressionen weiter steigen, machen wir klar, dass wir nicht auf die Regierung warten.

Auch ein Tempolimit oder ein 9-Euro-Ticket sind nicht genug, um den Kollaps unseres Klimas abzuwenden. Wem war das bisher nicht klar? Jetzt, nachdem die Regierung der ganzen Republik aufgezeigt hat, dass sie nicht einmal in der Lage ist, die einfachsten Schritte umzusetzen, gilt es, das Momentum weiterzuführen und sich ehrlich zu machen. Wir brauchen einen tiefgreifenden Wandel. Wir brauchen ihn jetzt und wir brauchen ihn am besten überall. 

Deswegen fordern wir die Regierung dazu auf, einen Gesellschaftsrat einzuberufen, der die notwendigen Maßnahmen beschließt. Dieser Rat wird nach dem Vorbild eines Bürger:innenrates gebildet, in dem Menschen aus der Gesellschaft zufällig gelost zusammenkommen, sodass eine tatsächlich repräsentative Versammlung der Gesellschaft entsteht. Mit diesem politischen Instrument können die notwendigen Maßnahmen gesellschaftsverträglich beschlossen werden.

Es ist uns wichtig, zu betonen, dass wir mit dieser Forderung nach einem gelosten Rat nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung abschaffen, sondern sie stärken wollen. Wir zeigen einen Weg, sie zu erhalten und in Zeiten multipler Krisen auf demokratischem Wege zukunftsfähig zu machen. Dass der Gesellschaftsrat nichts mit Demokratiefeindlichkeit zu tun hat, wurde bereits 2019 von populärer, konservativer Seite bestätigt.

Dazu kommt, dass die aktuelle Regierung sich bereits darauf geeinigt hat, geloste Bürgerräte noch in dieser Legislaturperiode einzusetzen. 

Unsere jetzigen Forderungen werden dabei nicht fallen gelassen. Im Gegenteil: Sie erhalten endlich die Ergänzung, die sie immer brauchten, um nicht zu klein zu sein. Das Tempolimit und guter öffentlicher Nahverkehr sind jetzt umsetzbar, nachdem schon der Bürgerrat 2021 befand, dass es das braucht und Mehrheiten dahinter stehen. Nun ist ein Gesellschaftsrat vonnöten, der das ganze Land medial mitnimmt. Durch die Forderungssteigerung ist die Regierung also nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, umgehend die einfachsten Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. 

Werden diese von einer größeren Vision begleitet und nicht mehr so sehr medial von uns ins Zentrum gerückt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung die Maßnahmen umsetzt, weil sie weniger Gesichtsverlust befürchten muss. Das haben wir auch bei der Straffreiheit des Containerns gesehen.

Zur Fragestellung des Gesellschaftsrates
Jeder geloste BĂĽrger:innenrat ist nur so gut, wie seine Fragestellung, wie seine thematische Ausrichtung. Der groĂźe Rahmen muss klar sein, um zielfĂĽhrende Diskussionen und am Ende Entscheidungen zu treffen. Der ganze Geist des Gesellschaftsrates muss allerdings auf den offenen Meinungsaustausch ausgerichtet sein.

Neben der offenen Kultur, die sich bei professioneller Moderation entfalten kann, ist es bei der Klimarealität ganz klar: Wir müssen realistisch sein. Also uns nicht an dem politisch gemütlich Machbaren, sondern an dem klimarealistisch Notwendigen orientieren.

Wir brauchen eine Orientierung daran, was physikalisch notwendig ist.

Deswegen fordern wir, dass der Gesellschaftsrat Maßnahmen finden muss, die Nullemissionen in Deutschland bis 2030 bewirken, das bedeutet: 100 % erneuerbare Energien, eine kohlenstoffsenkende (klimapositive) Landwirtschaft und eine emissionsfreie Kreislaufwirtschaft, die in einer Welt mit endlichen Ressourcen fortbestehen kann.

Das ist das Mindeste, was notwendig ist, um uns zu retten. Ob diese Forderungen aus der jetzigen gesellschaftlichen Perspektive als „realistisch“ erscheinen, ist zunächst zweitrangig. Vernünftig ist, jetzt alles dafür zu tun, dass wir eine realistische Chance bekommen, die zivilisationsvernichtende Klimakatastrophe aufzuhalten. Und es ist möglich: Machbarkeitsstudie.

Mit jeder Äußerung, die unsere Forderung als naiv, realitätsfern und unrealistisch bezeichnet, wird gleichzeitig offenbart, dass das jetzige politische System keine Antworten darauf hat, das Notwendige zu tun, um diese Krise zu bewältigen.

Nur weil die Regierung sich nicht in der Lage sieht, die notwendigen MaĂźnahmen zu beschlieĂźen, um das Ziel Nullemissionen bis 2030 zu erreichen, muss es trotzdem geschehen.

Welchen Weg einer Entlastung der Armen durch Belastung der Reichen, welche schnelle Umgestaltung der Wirtschaft, der Arbeitswelt und des Überkonsums gewählt werden, muss von den Menschen gemeinsam auf Augenhöhe demokratisch geklärt werden. 

Wir können als letzte Generation vor den Kipppunkten jetzt schon mit Tabus brechen, die nach wie vor in der Debatte herumgeistern: Was ist mit den Arbeitsplätzen? Und: Wie schaffen wir es, dass für die Grundbedürfnisse aller, nicht nur der Reichen, Energiesicherheit herrscht?

Einige Schritte sind nach wie vor sofort zu ergreifen. Sobald die Regierung sich endlich bewegt, zeigen wir, dass unser Druck gewirkt hat. Gerade der Verkehrsbereich zeigt auf, wie fatal schlecht es läuft.

Dass uns keine verdammte Zeit bleibt und wir statt schöngerechneten Zielen 2045 echte 2030 brauchen, zeigt das Erreichen von Kipppunkten, wie der Weltuntergangsgletscher in der West-Antarktis.

Ăśber die Medien
Wir mĂĽssen sprachlich deutlich sein: Es wurden genug Fragen zur friedlichen Protestform und zum FĂĽr und Wider von Protest gestellt, um vom eigentlichen Thema abzulenken und uns klein zu halten. Jetzt sind wir dran – die, die sich nicht dem Aussterben hingeben wollen. Wir drehen die Kommunikation um: Die Regierung versagt. Sie muss erklären, wie sie das hinkriegen will, wenn sie nicht auf uns eingeht. Bis 2045 warten, um 1,5 Grad Erhitzung aufzuhalten, bei gleichzeitigem Erreichen von 1,5 Grad schon 2030, ist pure Realitätsverweigerung. 

Wenn jemand uns auf unsere friedliche Protestform anspricht, sprechen wir darĂĽber, dass unser Protest friedlich ist und die Regierung die Verfassung bricht. Der Verfassungsbruch der Regierung muss im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Nicht die Art, wie gegen diesen friedlich protestiert wird.

Wenn die Regierung nicht in der Lage ist, ihrer Pflicht vor der Verfassung nachzukommen, ist es an ihr, einen Gesellschaftsrat einzuberufen. Von uns muss die Dringlichkeit der Kipppunkte auĂźerdem immer wieder vorgebracht werden.

Lokale Probleme wie das Austrocknen des Rheins und die Überflutung im Ahrtal verbinden wir mit der großen Erzählung des Verfassungsbruchs der Regierung. Lokale Beispiele zeigen den großen Verfassungsbruch auf!

Dies hat keinen Bruch unserer Erzählung zur Folge. Sondern es reiht sich in unsere Geschichte ein. Wir weiten unser Narrativ und unsere Strukturen aus. Wir hören nicht auf, wir weiten unseren friedlichen Protest überall aus.

Überall in der Republik wird unser friedlicher Protest mehr und mehr zu einem gesellschaftlichen Ereignis, wie es bereits am Stachus in München passiert ist. Wir protestieren friedlich und unterbrechen den Alltag. Wir wollen den Protest anschlussfähiger machen und laden Menschen ein, auf ihre Art gewaltfrei zu protestieren. Mehr und mehr wird unser friedlicher Protest in der Mitte der Gesellschaft stattfinden, denn die Erkenntnis sickert durch, dass dieser Protest nicht radikal ist, sondern friedlich und notwendig.

Unsere notwendige Handlungsmaxime bleibt bestehen: Friedliche Störung ist nicht alles, aber ohne friedliche Störung ist alles nichts. 

Wenn die ersten Traktoren in den Blockaden auftauchen, wird der friedliche Protest erneut die ganze Gesellschaft aufrütteln und vor die Wahl stellen, wie sie sich 2023 zum Versagen der Regierung verhalten möchte.

Unsere thematisch gesetzten Rahmen werden mehr und mehr übernommen. Kurz nach einem ähnlich lautenden Tweet von uns titelte die TAZ am 14. Dezember 2022: „Erst wenn der letzte Kleber entfernt und die Letzte Generation komplett verhaftet ist, werdet ihr feststellen, dass Olaf Scholz mit seinem Klimaclub die Welt nicht retten wird.“

Worauf wir zielen II

Wir wollen weiter wachsen! Unsere Theorie der Veränderung fußt auf mehreren sozialen Effekten. Der „Vorzeige-Effekt“ (demonstration effect) bestimmt unsere Theorie der Mobilisierung. Du siehst eine Person auf der Straße sitzen, die dir einen Weg aufzeigt, um Widerstand zu leisten. Genauso entscheidend ist es, die Säulen der Gesellschaft auf unsere Seite zu ziehen. Die Logik der friedlichen Unterbrechung des Alltags, die Effekte von Empörung, Polarisierung und der Inkaufnahme von Repression funktionieren nur mit dem Gegenwind-Effekt (backfiring oder political jiu jitsu). Er erzeugt das Dilemma: Soll die Regierung draufhauen oder drauf eingehen? Für den Wandel ist auch der soziale Kipppunkt – sind also Herdeneffekte – von Bedeutung.

Die Geschichte zeigt: Wir können einen Stein ins Rollen bringen, wenn eine kritische Masse ein politisches Drama erzeugt. Wenn die Situation so aufgeladen ist, dass eine Diskussion entbrennt, die dem fossil-wachstumsorientierten Modell die Legitimation nimmt, können Schritte errungen werden, die in eine lebenswerte Zukunft weisen. Es entsteht ein Veränderungspotenzial, das jetzt nicht einmal vorstellbar erscheint. Dabei müssen wir es schaffen, Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppen zusammenzubringen und Protestformen zu finden, an denen sich alle beteiligen können. Der Erfolg des letzten Jahres war maßgeblich davon geprägt, dass wir intern und extern versuchen, eine inklusivere Kultur zu leben. Wir sind noch weit entfernt von unserem Ideal, aber je besser wir es schaffen, desto stärker die Bewegung. 

Wenn ein Gesellschaftsrat gelost wird und die ganze Republik darüber spricht, lässt sich der Geist der Veränderung nicht mehr stoppen. Eine Reform, die einen tiefgreifenden Wandel nach sich ziehen kann, weil sie radikal, also an den Wurzeln, ansetzt.

Wir haben 2022 ĂĽber 1.250 Ingewahrsamnahmen organisiert. Das ist ein Erfolg.

Ab einem Punkt von 2.000 bis 5.000 Festnahmen in kurzer Zeit wird die Polizei überfordert sein, weiter zu verhaften. An dem Punkt kann eine Dynamik beginnen, die das Dilemma verstärkt: Es gibt zur Beendigung der Unterbrechung des Alltags nur zwei Wege: Verhandlung und politische Reaktion, oder Repression, also Gegenwehr in immer schärferem Maße. 

Noch vor 2022 haben wir mit 50 Vorträgen die ersten 24 Leute auf der Straße aktiviert, die am 24. Januar 2022, vor einem Jahr, die ersten Autobahnblockaden durchführten – bereit, ins Gefängnis zu gehen.

Bis April hielten wir 120 Vorträge und konnten 145 Menschen auf der Straße zählen. 

Weitere 120 Vorträge brachten uns über 240 Menschen im Juni in Berlin.

In der zweiten Jahreshälfte veranstalteten wir über 320 Vorträge. So konnten wir in den Monaten ab Oktober etwa 750 Teilnahmen an Blockaden mit knapp 400 Festnahmen und Dutzenden Menschen im Gefängnis erreichen.

Dabei haben wir es geschafft, Verbindungen zur Kirche, Gewerkschaften, Schulen, Universitäten und vielen weiteren Gruppen aufzubauen, deren Unterstützung unseren Protest auf eine neue Stufe gestellt hat. 

Es gibt ihn, den Teil unserer Pläne, der Mathe ist. Der sich um Zahlen dreht. Das ist niemals alles, aber ohne die Zahlen sind alle Gedanken der kritischen Masse nur Geschwafel.

Wie wir das erreichen

Zur Regionalisierung und Lokalisierung
Wir geben am 24.1.2023 eine Botschaft heraus. Nach einem Jahr, in dem die Regierung die einfachsten Schritte nicht unternimmt und damit den Boden des Grundgesetzes verlässt, fordern wir sie dazu auf, sich aus ihrer Ohnmacht zu befreien und ihr Vertrauen in einen Gesellschaftsrat zu setzen. 

Statt einem Hotspot in Berlin, werden wir mehrere Kampagnen gleichzeitig fahren – in alle Himmelsrichtungen. 

Wir stützen uns dabei auf ein Hybrid-Modell, welches auch momentumgetriebenes Organisieren (momentum driven organising) genannt wird. Es stellt die Mischform aus langfristiger Planung durch NGO-Strukturen und riesigen Einmal-Protesten dar. Aus diesem Modell stammt unsere Entscheidungsstruktur und wir passen sie stetig in der Balance an, damit sie dem höheren Zweck dienen kann.

Zu friedlichen Protesten
Unser Protest ist dabei immer und überall friedlich. Das ist bei der Letzten Generation unumstößlicher Konsens. Wenn wir angegriffen werden, schlagen wir nicht zurück. Wenn wir beleidigt oder lächerlich gemacht werden, nehmen wir das hin. Wir protestieren nicht, um anderen zu schaden, sondern um die Welt für alle Menschen gerechter und lebenswerter zu machen.

Unser Protest stellt eine friedliche und intensive Einladung dar, die sich – ganz ohne Zwang und Erpressung – an Politik, Medien und Gesellschaft richtet. Eine Einladung, sich in Zeiten einer existenziellen Krise für die Menschlichkeit zu entscheiden. Eine Einladung, über deren Annahme alle Beteiligten frei entscheiden können, denn wir werden die Konsequenzen unseres Handelns tragen und akzeptieren.

Wir wollen auf verschiedene Art und Weise friedlich protestieren: Mit einstiegsfreundlicherem Protest, mit geringerem persönlichen Risiko und mit vielen Menschen – „Einstiegs-Ungehorsam“, wie Plakatier-Abende und Fahrten ohne Ticket, aber auch störende Straßenblockaden. Weiterhin gibt es friedlichen Protest mit bei dem mit höheren Repressionen zu rechen ist. Dieses persönliche Risiko wird mit einem Bewusstsein für das Risiko und mit guter Vorbereitung durchgeführt.

Bei allen Formen des Protests gilt jedoch immer ein Mindestmaß an Störung. 

Der einflussreiche, friedliche Protest in München zeigt: Auch und gerade das vorab angekündigte und offene Auftreten erzeugt eine breite Debatte. Die friedlichen Proteste werden zu gesellschaftlichen Ereignissen. Dabei rückt die Störung gegenüber der Symbolik oder der Opferbereitschaft manchmal in den Hintergrund. 

Wichtig ist, dass wir uns in allen Städten nicht trĂĽgen lassen: Gewaltfreie Störung, Opferbereitschaft und Intensivierung der Proteste sind die drei Zutaten, die es immer gebraucht hat und weiterhin braucht, um zu gewinnen. Lässt du eine weg, kannst du es bleiben lassen (mehr dazu in Mark Engler, Paul Engler – This Is an Uprising_ How Nonviolent Revolt Is Shaping the Twenty-First Century-Nation Books (2016).pdf oder hier in deutscher Ăśbersetzung des Buches: A5-Engler-Das_ist_ein_Aufstand.pdf).

Der friedliche Protest ist lokal noch nicht so debattiert worden. Dieses Potenzial wollen wir ausschöpfen. Der friedliche Protest, welcher bisher größtenteils in Berlin stattgefunden hat, soll überall im Land noch spürbarer werden, indem er vor der eigenen Haustür ankommt.

Die Unterstützung von lokalen Gewerkschaften, Behörden, Kirchen, Landwirt:innen, Schulen, Universitäten, Bildungseinrichtungen und der Kulturszene ermöglicht es, dass mehr Menschen sich #WirAlleSindDieLetzteGeneration anschließen. Jede Säule hat eine eigene Verbindung zur Klimakrise und diese gilt es anzusprechen. So haben wir die Chance, nicht nur Individuen zu mobilisieren, sondern ganze Netzwerke.

Unsere Forderungen richten sich wie gehabt an die Bundesregierung. Dort liegt der größte Hebel in diesem Land, um etwas zu verändern. Gleichzeitig können wir auf oft offene Stadträte, Bürgermeisterinnen etc. zugehen und diese einladen, unsere Forderung öffentlich zu unterstützen. In diesem Fall wäre es möglich, den friedlichen Protest in dieser Stadt zu pausieren (und in andere Städte zu ziehen). Dadurch besteht die Chance auf einen Domino-Effekt der kippenden Städte, wodurch der Druck von der politischen Basis auf die Bundesregierung steigt und uns näher ans Ziel bringt.

Welche Stadt, welche Kommune wird die erste sein, die öffentlich die notwendigen Veränderungen einfordert, um unser Überleben zu sichern?

Offenheit und „Zentral-Lokale“ Struktur
Wenn wir uns bürokratisieren und bei jedem Kleinkram fragen und Bescheid sagen müssen, zerlegen wir uns selbst. Nur mit einer Kultur des offenen Organisierens und auch Scheitern-Dürfens werden wir es schaffen. Alles spielt sich in einem Rahmen ab und passt zu einer großen Erzählung. Gleichzeitig wird es der Regierung lieber sein, dass sie mit uns spricht, als dass es eine Unkontrollierbarkeit gibt. Insofern bietet das eine Motivation, mit uns zu sprechen, da wir zusichern können, bei erfolgreichen Verhandlungen diszipliniert von der Straße zu gehen.

Mit vielen Menschen im Gepäck, mit Unterstützung für den Gesellschaftsrat, mit der unbrechbaren Wut und friedlichen Disziplin können wir es schaffen. Wir dürfen nicht in die Falle tappen, dass wir die Lokalisierung als „Dezentralisierung“ im Sinne eines Abschaffens zentraler Strukturen begreifen. Allzu oft haben wir sonst am Ende über Biomülltonnen, Fahrradwege und Totholzbiotope mehr gesprochen als über eine gemeinsame Mobilisierung. Lokale Themen aufzugreifen und die Empörung mit der großen Sache zu verbinden, ist dagegen sehr hilfreich. 

Zur kritischen Masse
Neben dem fortlaufenden Protest überall im Land werden wir immer wieder geschlossen in Berlin zusammenkommen, um dort den Alltag erneut größtmöglich zu unterbrechen. Wenn wir an einem Punkt der kritischen Masse nahe sind, werden wir in der Hauptstadt gewinnen. Wenn nicht, werden wir nach einer gemeinsamen Zeit wieder in die Städte zurückkehren und unsere Arbeit an den regionalen Protest-Hotspots, Kontroversen, Störungen, Vernetzungen und Mobilisierungen fortführen.

Wir schaffen es, pro Vortrag zwei Zusagen von Menschen zu bekommen, von denen eine dann auch auf der Straße klebt. Wenn ein großes Zusammenkommen in der Hauptstadt weniger als zwei Monate entfernt ist, geht weniger Bereitschaft verloren. Gleichzeitig ist die Schwelle zum friedlichen Protest-Beginn niedriger, wenn der Protest in der eigenen Stadt stattfindet. Wir müssen es schaffen, dass Menschen ihren Weg schnell und einfach reinfinden, sehr gut in Friedlichkeit trainiert sind und über soziale Räume, Regenerieren und ihre Entschlossenheit dabei bleiben. 

Eine Beispielrechnung. Wenn also 200 Menschen über einen Zeitraum je 10 Treffen anbieten, dann schaffen wir 2.000 bis 4.000 Personen, je nachdem wie viele wir pro Treffen motivieren können. So erreichen wir die kritische Masse.

Was uns Kraft gibt

Neben ganz viel Erfahrung können wir auch unglaublich viel Kraft aus dem letzten Protestjahr ziehen. Unser Glauben an die Menschlichkeit in dieser Gesellschaft wurde bestärkt. Wir konnten ganz deutlich sehen, dass je mehr wir einstecken mussten, sei es durch öffentliche Anfeindungen, Gewalt auf der Straße, Hausdurchsuchungen oder längere Inhaftierungen in München, desto stärker wurde die öffentliche Unterstützung aus der Zivilbevölkerung. Wir sind fester davon überzeugt denn je: Die Menschen können richtig und falsch voneinander unterscheiden und können verstehen, dass unser Protest friedlich und notwendig ist. Wir können darauf vertrauen, dass sie im entscheidenden Moment für die gerechte Sache Stellung beziehen werden.

Es gibt uns Kraft, dass wir für alle Menschen protestieren, nicht nur für uns selbst. Unseren Protest als Dienst für die Gemeinschaft zu verstehen, lässt uns den Mut und die Kraft aufbringen so zu protestieren, dass es im ersten Moment nicht allen gefällt. Es lässt uns die Stärke aufbringen, auch angesichts von Hass und Gewalt friedlich zu bleiben und unsere vermeintlichen Gegenspieler:innen nicht zu verteufeln.

Wir wissen, dass wir mit der globalen Wissenschaftsgemeinschaft im Rücken, ein vernünftiges Handeln angesichts einer existenziellen Bedrohung für die gesamte Menschheit einfordern. Wir akzeptieren, dass die Situation schlimm ist. Der objektiven Realität entsprechend zu handeln fühlt sich sinnvoll an. Was könnten wir sinnvolleres mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist?

Auch in dieser Krisen-Realität können wir eine Gemeinschaft aufbauen, in der wir Trost, Vertrauen, Zuversicht und Lebensfreude finden. Wir können dankbar dafür sein, dass wir uns in dieser Gemeinschaft verbunden und aufgehoben fühlen können.